Erstes maschinengeneriertes Buch publiziert

Angewandte Computerlinguistik der Goethe-Universität kooperiert mit Springer Nature

FRANKFURT. Das erste maschinengenerierte Buch, das bei Springer Nature erscheint, entstand mithilfe eines Algorithmus, der von Wissenschaftlern der Goethe-Universität entwickelt wurde. Obwohl schon lange zu diesem Thema geforscht wird, betreten der Verlag und die Informatiker damit Neuland, denn es ist zuvor noch kein maschinengeneriertes Buch von einem Wissenschaftsverlag veröffentlicht worden.

Das Buch bietet einen Überblick über die neuesten Forschungspublikationen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien - eine strukturierte, automatisch generierte Zusammenfassung einer großen Anzahl aktueller Forschungsartikel. Forscher erhalten hierdurch die Möglichkeit, das schnell wachsende Informationsaufkommen auf diesem Gebiet effizient zu überschauen. Das Buch ist als kostenloser Download verfügbar.

Der unter Leitung von Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos an der Angewandten Computerlinguistik an der Goethe-Universität entwickelte Beta Writer basiert auf Verfahren, die Textinhalte mithilfe von Computern analysieren, so dass sie relevante Publikationen automatisch auswählen und verarbeiten, die zuvor auf der Plattform SpringerLink veröffentlicht wurden. Diese wissenschaftlich begutachteten Veröffentlichungen von Springer Nature werden von dem Algorithmus einem ähnlichkeitsbasierten Clustering unterzogen, um die Quelldokumente in zusammenhängende Kapitel und Abschnitte zu gliedern.

In diese Kapitelstruktur werden prägnante Zusammenfassungen der publizierten Artikel eingefügt und miteinander verflochten. Die extrahierten Textpassagen sind mit Hyperlinks versehen, so dass der Leser eindeutige Verweise auf die Quelldokumente erhält. Automatisch erstellte Inhaltsverzeichnisse und Referenzen erleichtern die Orientierung innerhalb des Buchprototypen.

„Mit dieser Publikation wollen wir zeigen, zu welchem Grad die Herausforderungen der maschinengenerierten Publikation inzwischen gelöst werden können, wenn Fachleute aus wissenschaftlichen Verlagen mit Computerlinguisten zusammenarbeiten“, erklärt Juniorprofessor Christian Chiarcos. „Wir haben bei diesem Projekt auch besser verstanden, welche Erwartungen es auf Seiten der Autoren, Herausgeber, Verlage und Käufer gibt. Und zwar sowohl in Bezug auf die wissenschaftlichen als auch die wirtschaftlichen Anforderungen.“

Henning Schoenenberger, Director Product Data & Metadata Management bei Springer Nature, fügt hinzu: „Während Forschungsartikel und -bücher, die von Wissenschaftlern und Autoren geschrieben werden, auch weiterhin eine entscheidende Rolle im wissenschaftlichen Publizieren spielen werden, erwarten wir zukünftig eine Vielzahl an verschiedenen Inhaltstypen: von vollständig von Menschen erstellten Inhalten über verschiedene Blended-Man-Machine-Textgenerierungen hin zu vollständig maschinengenerierten Texten. Unser Prototyp ist ein erster wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Wir hoffen, dass wir als Verlag dazu beitragen, eine öffentliche Debatte über die Chancen, Auswirkungen, Herausforderungen und potenziellen Risiken von maschinengenerierten Inhalten im wissenschaftlichen Umfeld anzustoßen."

Link zur Publikation: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-16800-1

Informationen: Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos, Angewandte Computerlinguistik, Fachbereich Mathematik und Informatik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22463:, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , http://acoli.cs.uni-frankfurt.de/

Rohstoff in den Köpfen

Innovationsforum an der Goethe-Universität: Top-Manager diskutieren mit Wirtschaft und Studierenden über kreativen Unternehmergeist

04. September 2012

FRANKFURT. Ein Abend mit vielen Geistesblitzen und Inspirationen: Das 1. Innovationsforum von Goethe-Universität und Handelsblatt auf dem Campus Westend übertraf mit 700 Vertretern aus Wirtschaft und Hochschule alle Erwartungen. Ein hochkarätig besetztes Podium von Vorstandsvorsitzenden diskutierte über die Bedeutung von neuen Ideen für beruflichen und ökonomischen Erfolg. „Für die Goethe-Universität gehören Patentieren und Publizieren ganz eng zusammen“, betonte Uni-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz in seiner Begrüßung. Die Makroökonomin Prof. Nicola Fuchs-Schündeln stellte in ihrem Eingangsstatement die Bedeutung von gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern für wirtschaftlich prosperierende Unternehmen und Regionen heraus: „Der Kampf um die besten Köpfe wird immer wichtiger.“

In einem Live-Talk sprach danach Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt, auf ebenso erhellende wie unterhaltsame Weise mit vier Vorstandsvorsitzenden bedeutender deutscher Unternehmen. René Obermann, Deutsche Telekom AG, Prof. Dr. Martin Winterkorn, Volkswagen AG, Dr. Marijn Dekkers, Bayer AG, und Roland Boekhourt, ING-DiBa AG, gewährten erstaunliche Einblicke in ihre Bildungsbiographien und formulierten gemeinsam mit dem Publikum Voraussetzungen für ein innovationsfreundliches Klima in Studium und Beruf. „Der Erfolg eines Unternehmens wie VW beruht vor allem auf den Ideen und dem Erfindungsreichtum seiner Mitarbeiter“, betonte Martin Winterkorn. „Wir prämieren im Rahmen eines Ideenmanagements kreative Vorschläge. Wenn man ein Mindestmaß an Disziplin und Selbstreflexion beherzigt, darf man auch mal ‚spinnen‘“, so René Obermann. Neugierde müsse bereits in den Schulen gefördert werden, so die Diskutanten. In Deutschland sei das Scheitern einer Geschäftsidee zu negativ besetzt. Risikobereitschaft sei aber eine Voraussetzung dafür, dass in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland Innovationen stärker umgesetzt werden könnten.

Verbunden war die von Dr. Friederike Lohse von der Freundesvereinigung initiierte Veranstaltung zugleich mit einem Spendenaufruf: Unibator, das Gründerzentrum an der Goethe-Universität, bietet Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Alumni Unterstützung auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Im Rahmen eines Mentoren-Programms begleiten Professoren der Goethe-Universität die Projektteams bei der Entwicklung ihrer Vorhaben. Der Goethe-UniBator ist damit eine Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft und ermöglicht innovativen Ideen den erfolgreichen Markteintritt.

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Weitere Informationen: Goethe-Unibator, www.goetheunibator.de

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